Aktivisten als
Zielscheibe auf den Philippinen
Aus „the wire – Amnesty International“, August 2006,
ISSN 1472-443X, AI Index NWS 21/007/2006
Übersetzt
von der Philippinen-Kogruppe von amnesty international Deutschland
Der
Anblick zweier Motorradfahrer in hohem
Tempo entlang der Straße in einigen Gebieten der Philippinen kann Argwohn und
Furcht bei einem Aktivisten auslösen. Irma „Kathy“ Alacantara war
Generalsekretärin der Bewegung für Nationale Demokratie in ihrer Provinz. Diese
Bewegung ist eine linke nationale politische Organisation. Während Kathy Anfang
Dezember 2005 an einer Konferenz für die Rechte von Bauern und Fischern
teilnahm, wurde sie von zwei bewaffneten, nicht identifizierten Motorradfahrern
erschossen, während sie vor dem Eingang des Konferenzzentrums wartete. Ihre
Kollegen berichteten, dass sie Drohungen erhalten hatte und dass sie vor ihrer
Ermordung von bewaffneten Männern überwacht worden sei. Eine große Anzahl
anderer linker Aktivisten ist nach dem
gleichen Muster getötet worden.
Seit
2004 ist die Zahl politischer Morde auf den Philippinen steil angestiegen. Ziel
waren Mitglieder linker legaler Organisationen, die von der Regierung
öffentlich als Frontorganisationen der bewaffneten kommunistischen Gruppen
gebrandmarkt wurden. Besonders gefährdet sind Organisatoren von Gemeinschaften,
Menschenrechtsaktivisten, kirchliche Mitarbeiter, Mitglieder legaler linker
politischer Parteien und andere, die verdächtigt werden, Sympathisanten der
kommunistischen Aufständischen zu sein.
Der
bewaffnete Konflikt zwischen Sicherheitskräften der Regierung und kommunistischen
Aufständischen dauert nun 37 Jahre. Die fortgesetzten politischen Morde haben
dazu beigetragen, dass der Friedensprozess zwischen Regierung und Kommunisten
ins Abseits geraten ist und damit auch die Chance für einen Friedensschluss in
der nächsten Zukunft.
Rafael
Markus Bangit war Anfang Juni 2006 mit seinem Sohn auf einer Busreise, als er
und ein weiblicher Passagier von einem nicht identifizierten Mann niedergeschossen
wurde. Wenige Tage zuvor hatte Markus Bangit sich beklagt, er werde verfolgt.
Er gehörte zum Volk der Malbong und hatte sein Leben lang die Rechte indigener
Völker verteidigt. Zuletzt arbeitete er für die Allianz der Völker der
Cordillera CPA, ein unabhängiger Zusammenschluss von linksgerichteten
Volksorganisationen. Die meisten davon sind in indigenen Gemeinschaften in den
nördlichen Philippinen verankert. Markus Bangit war auch Generalsekretär und
stellvertretender Vorsitzender seiner Heimatprovinz für die linke politische
Partei Bayan Muna.
Amnesty
international glaubt, dass diese unverminderten Tötungen gemeinsame Merkmale
aufweisen. Dies schließt ein: die politische Zugehörigkeit der Opfer, die
Methodik der Angriffe und Berichte, dass die Armee oder andere Sicherheitskräfte
des Staates entweder direkt beteiligt waren, zugestimmt haben oder mitschuldig
waren. Amnesty international stellt fest, dass es ein beständiges Muster einer
Versäumnis gibt, unmittelbare und effektive Untersuchungen einzuleiten, die zur
Verhaftung, Anklage und Verurteilung der Verantwortlichen für die Morde führen.
Im
Bericht „Philippinen: Politische Morde, Gerechtigkeit und der Friedensprozess
(AI-Index ASA 35/006/2006), der demnächst erscheint, dokumentiert amnesty
international solche Morde und stellt die Pflicht der Regierung fest, das Recht
auf Leben jedes Einzelnen im Land zu schützen – unabhängig von seinem
Hintergrund oder seiner politischen Zugehörigkeit.